Musikalische Früherziehung im Kindergarten

Ein Erfahrungsbericht

Im Rahmen unseres Musikus Projektes fand in Minden eine hervorragende Veranstaltung statt. Siehe auch den entsprechenden Bericht in dieser Ausgabe. Wir haben Andreas Voigt vom Trommler- und Pfeifenkorps Minden als einen der tragenden Initiatoren gebeten, dazu einen Fachbericht zu schreiben. Dieser Bitte ist er gerne nachgekommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Die Redaktion

Alles begann eigentlich mit dem Hinweis meines damals dreijährigen Patenkindes, dass er gerne mal Musik mit uns machen wolle. „Uns", dass sind seine Eltern und ich - alle drei aktive Spielleute im Trommler- und Pfeiferkorps 1980 Minden e.V. Mit mehr als 20jähriger Spielmannszugzugehörigkeit und langer Dozententätigkeit im D-Bereich, sollte mir das eigentlich nicht schwer fallen - dachte ich zumindest am Anfang.

Ich hatte Anfang 2007 gerade mein Studium an der Fachhochschule Oldenburg beendet und musste noch ein wenig warten, bis mein Arbeitsverhältnis als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Photogrammetrie und Fernerkundung beginnen sollte. Also hatte ich genügend Freizeit, um mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich suchte also das Gespräch mit dem Kindergarten und wir haben ein erstes Konzept entwickelt.

Ein großes Problem sah ich darin, den Kindern nicht nur das Spielen der Instrumente sondern auch ein wenig der dazugehörigen Theorie beizubringen. In den D-Lehrgängen ist dies kein Problem: meinen Schlagwerkern erzähle ich immer, dass das Zählen das A & O ist; und das die D-Kandidaten in der Regel zehn Jahre oder älter sind und damit Lesen und Schreiben können, habe ich als selbstverständlich in der Musikausbildung empfunden.

Von den Kindergartenkindern kann man aber nicht unbedingt verlangen, dass sie schon „stolperfrei" bis vier zählen können. Also mussten Ideen her, damit die Kinder das Erlernte möglichst langfristig behalten.
Ein Teil der Erzieherinnen des Kindergartens hatte zuvor einen Kurs für afrikanisches Trommeln besucht. In diesem Kurs hat ihnen Herr Benjamin Mgonzwa pädagogische Grundlagen für das Erlernen afrikanischer Lieder, Tänze und Musik vermittelt.

Aufbauend auf seinen Ideen habe ich meinen Unterricht gestaltet. Den Grundstock im Perkussionsbereich bildeten hierbei die so genannten Rhythmuskarten des Herrn Mgonzwa. Hierbei handelt es sich um Abbildungen von Tieren, die in Bezug zu Notenwerten gesetzt werden (siehe Abbildungen am Ende des Textes). Durch die Kombination verschiedener Symbole konnten so unterschiedliche Rhythmusfolgen erstellt werden.

Das Ziel des Workshops im Kindergarten sollte sein, das Sommerfest des Kindergartens Mitte des Jahres musikalisch zu begleiten - musikalisch bedeutet hierbei das Erlernen und Vortragen verschiedener Rhythmen auf diversen Perkussions-Instrumenten. So bin ich also über einen Zeitraum von vier Monaten durchschnittlich 2mal die Woche in die einzelnen Gruppen des Kindergartens gegangen, und habe ihnen die Grundlagen im Perkussionsbereich und ein paar Hintergründe zu den Musikinstrumenten und ihrem Gebrauch vermittelt; anfangs jeweils knapp 20 Minuten pro Gruppe. Nach einer gewissen Zeit haben wir die Zeit sukzessive auf fast eine Stunde erhöht. Selbst die Erzieherinnen waren erstaunt, dass die „Kleinen" über einen so langen Zeitraum hinweg so konzentriert mitgearbeitet haben. Während der gesamten Phase haben die Erzieherinnen und ich uns immer wieder zusammengesetzt und das Programm der nächsten Einheiten dynamisch an das Lernverhalten der Kinder angepasst. Hier war es sehr angenehm für mich, dass ich de notwendige pädagogische Unterstützung durch den Kindergarten erhalten habe, um das Wissen zielgruppengerecht vermitteln zu können.

Das Ergebnis konnte sich sehen - bzw. hören - lassen. Erzieherinnen, Kinder und Eltern waren begeistert und wir haben fast ausschließlich positives Feedback erhalten. Im Verlauf des Jahres hat Stefanie Wilkening, Berufsschullehrerin und ebenfalls Dozentin im D-Bereich, angefangen die Erzieherinnen des Kindergartens nach den D-Richtlinien auszubilden. Viele von ihnen spielten bereits ein oder mehrere Instrumente (Gitarre, Blockflöte etc.), sind aber in der Musiktheorie nicht ausgebildet worden.

Durch diese Ausbildungseinheiten wurde gewährleistet, dass der Kindergarten (also die Erzieherinnen und Kinder) selbstständig das durch uns vermittelte Wissen ausbauen konnten. Dass dies wunderbar funktionierte, habe ich gemerkt, als in diesem Jahr der Festakt anlässlich der MUSIKUS-Auszeichnung vorbereitet werden sollte. Mittlerweile fest im Beruf habe ich mir eine Woche Urlaub genommen, um nochmals zusammen mit den Kindern arbeiten zu können. Der Einstieg war ein leichtes, da die Erzieherinnen des Kindergartens das Trommeln, Klatschen und Tanzen in den letzten beiden Jahren immer wieder in den Tagesablauf eingebaut haben. Somit haben wir innerhalb kürzester Zeit ein Programm für einen 1,5stündgigen Kindergottesdienst aufstellen und einstudieren können.

Das Thema Musik zog sich hierbei wie ein roter Faden durch den gesamten Gottesdienst: von der Begrüßung durch die Leiterin des Kindergartens, das aufgeführte Stück (die Mauern von Jericho wurden unter dem Getöse der Perkussionsinstrumente zum Einsturz gebracht) über die Predigt bis zum „Vater Unser mit Bewegung" - immer war das Thema Musik präsent. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Trommler- und Pfeiferkorps 1980 Minden e.V. unter der Leitung von Karl-Heinz Welter und Michaela Reimann.
Am Ende des Gottesdienstes hat der Präsident des Volksmusikerbundes NRW,  Jochen Westermann, das außergewöhnliche Engagement des Kindergartens im Bereich der musikalischen Früherziehung durch Überreichen der MUSIKUS-Plakette gewürdigt.

Ich denke, dass die Aktion MUSIKUS für Kindergartenkinder eine wunderbare Möglichkeit ist, schon früh an das Musizieren herangeführt zu werden. Es fordert ein gewisses Maß an Disziplin und Interesse, zeigt den Kindern aber, dass man innerhalb einer Gemeinschaft grosse Ziele erreichen kann. Hierbei steht das MUSIKUS-Programm keinesfalls in Konkurrenz zu bisherigen Angeboten in Kindergärten. Ganz im Gegenteil: die Aktion MUSIKUS ergänzt das - wie in diesem Fall sehr umfangreich vorhandene - Angebot an musikalischen Aktivitäten.

Wir (also der Kindergarten, das Trommler- und Pfeiferkorps 1980 Minden e.V. und ich als eines seiner Mitglieder) werden diese Kooperation noch lange weiterführen und damit zeigen, dass der Kindergarten sich die Auszeichnung ehrlich verdient hat.

(Andreas Voigt)

 

zurück

 

Suche

 

Landesmusikfest 2018 im Hochsauerlandkreis

 

Volksmusikerbund NRW auf Facebook

 

crescendo auf Facebook

 
 

Top-News

Redaktionsschluss beachten

Königswinter - 01.12.2017

Redaktionsschluss für die Januar-Ausgabe von crescendo ist der 01.12.2017.

Bitte unterstützen Sie die Redaktion und senden Sie die Berichte rechtzeitig ab und nicht erst am Redaktionsschluss, da sie dann auch nicht mehr für die aktuelle Ausgabe berücksichtigt werden können.

Alle Beiträge senden Sie bitte an:

 
Redaktion crescendo
Vogtsgasse 11
53639 Königswinter
 

Termine

    2017

Redaktionsschluss Januar-Ausgabe von crescendo

01.12.2017 Crescendo  

mehr zu Redaktionsschluss Januar-Ausgabe von crescendo

 

Termine aus den Kreisverbänden

    2017

Urfeld Proms - Jahreskonzert der Musikfreunde Urfeld

26.11.2017, ab 17:00 Uhr Konzert  

mehr zu Urfeld Proms - Jahreskonzert der Musikfreunde Urfeld


    2017

Konzertevent: "TierischTierisch"

26.11.2017, ab 18:00 Uhr Konzert  

mehr zu Konzertevent: "TierischTierisch"


    2017

Tierisch gut - Jahreskonzert Musikfreunde Fidelia Wormersdorf

02.12.2017, ab 17:00 Uhr Konzert  

mehr zu Tierisch gut - Jahreskonzert Musikfreunde Fidelia Wormersdorf


    2017

Weihnachtliche Musik

02.12.2017, ab 19:30 Uhr Konzert  

mehr zu Weihnachtliche Musik

 
 

Webmaster

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Dietmar Anlauf
Dietmar Anlauf
Vogtsgasse 11
53639 Königswinter
Tel.:02244 / 8 19 51
 
 
 

Kreisverbände

 

Bildergalerien

 
• 2017