Afrika und Europa haben unterschiedliche musikalische Traditionen zu bieten. Das ist in der Januar Ausgabe von crescendo+Flair deutlich geworden. Rahime Diallo und Fabakary Jaboteh nahmen den deutsch-afrikanischen Kompositionswettbewerb des Märkischen Kreisverbandes zum Anlass, um einen „afrikanischen Blick auf die europäische Musik" zu werfen. Der Kreisverband organisiert diesen Kompositionswettbewerb im Rahmen der diesjährigen Landesgartenschau in Hemer.
Der schwedische Jazz Posaunist Nils Landgren dokumentiert dagegen einen etwas altertümlichen europäischen Blick auf Afrika. Er will helfen - und zwar anders als es in der Vergangenheit üblich gewesen ist. Da sind schon einmal gutwillige Popstars mit einem Sack voll Geld, viel Idealismus und wenig Ahnung in Afrika sprichwörtlich eingeflogen. So auf Spiegel online nachzulesen. Nils Landgren fliegt auch mit seiner Jazz Unit - nach Kenia. Dort wird man bisweilen ein Opfer seiner eigenen Vorurteile, wenn etwa einer der jungen deutschen Musiker „in einem Slum in Afrika" lediglich „Trommeln und dröhnende Lautsprecherboxen" erwartet." Dröhnende Lautsprecherboxen kann man übrigens auch in jedem tiefer-gelegten 3er BMW erwarten - nur selten in afrikanischen Slums. Dafür etwa in Berlin - und das gibt es sogar im Sauerland. „Aber", so berichtet Sebastian Studnitzky dem Spiegel Kollegen, „das gab es nicht" - in Afrika. Dabei hatte der Funk-Unit-Keyboarder sogar „die Arbeit an einem eigenen Album unterbrochen, um in Kenia dabei zu sein." Soviel Idealismus ist schon toll. Nun weiß man, was passiert, wenn plötzlich und unerwartet eine afrikanische Band etwa auf einem deutschen Schulhof erscheint, um dort Musik zu machen. Die Kinder sind begeistert. Das ist auch in Kenia passiert als die deutsch-schwedischen Gutmenschen der Funk Unit in einem Slum in Nairobi namens Kibera ein „unangekündigtes Platzkonzert" gaben. Innerhalb von Minuten „strömten die Leute" zusammen. Und es brach In Afrika ein großer Jubel aus - nicht über die weiße Invasion, sondern „bei der Verteilung von mitgebrachten Instrumenten an die Kinder aus drei Schulen". Ein Jubel, „den die Musiker nie vergessen werden", so der ergriffene Spiegel Kollege. "Alle wollten aus einer Trompete, Flöte, Posaune, aus einem Saxophon Töne herauskriegen", erzählt Jazz Posaunist Landgren. Das soll es auch in Deutschland geben, wenn etwa einer unserer Musikvereine in Kindergärten oder Grundschulen seine Instrumente vorstellt. Nils Landgren verspricht: "Diese Kinder lassen wir nicht mehr alleine." Das kann man auch als Drohung betrachten, wenn europäische Jazzer außer guten Willen nur ihre Klischees nach Afrika mitbringen. Sie sollten vielleicht vor der nächsten Reise nach Nairobi einen Abstecher nach Hemer machen - die Reisekosten halten sich in Grenzen und das wäre in diesem Fall sogar als eine Weiterbildungsveranstaltung zu betrachten. Die Funk Unit stellt übrigens die Honorare einer CD für diesen guten Zweck zur Verfügung - immerhin ein versöhnlicher Schluss.
(Frank Lübberding)
Die aktuelle Ausgabe von crescendo+flair, ist seit heute erhältlich. Wie immer gibt es viele interessante Reportagen, Fachberichte, Berichte aus den Kreisen, der Landesmusikjugend NRW sowie dem Volksmusikerbund NRW. Ein Themenschwerpunkt ist dieses Mal die Landesmeisterschaft der Spielleute in Buldern.
Im Internet drohen keine Schneestürme. Dafür herrscht bisweilen Verkehrschaos auf der Datenautobahn. Da können auch schon einmal EC Karten keine Jahrestage lesen. Bei uns gibt es solche Probleme nicht: Wir starten jetzt mit dem in der aktuellen crescendo+Flair Ausgabe angekündigten online Anmeldeverfahren für unsere landeszentralen Maßnahmen.
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