Die pure Begeisterung machte sich im mehrfachen Applaus während des Konzerts des Kreisorchesters Borken in der Stadthalle Ahaus Luft. Genau diese Zustimmung braucht das handverlesene Orchester als Rüstzeug für die Teilnahme am vierten Wettbewerb für Auswahlorchester der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände am 6. und 7. November in Bamberg.
Frisch aus dem letzten Probenwochenende in der Landesmusikakademie in Heek-Nienborg intonierte das Orchester versiert und klangstark zuerst die beiden Werke, die es in Bamberg spielen wird. „Firestorm" von Stephan Bulla ist das Pflichtstück, während „Tetragon" von Constantin Hesselmann das Werk sein wird, das die Musiker nach freier Wahl zum Klingen bringen werden.
Moderator und Euphonist Manfred Wanning freute sich besonders, dass der Komponist Hesselmann auch zum Orchester gehört. „Hesselmann hat mit 15 Jahren angefangen zu schreiben, um die Blasmusik zu reformieren", stellte Wanning ihn vor. Beide Kompositionen gehören zu den schwierigsten Stücken des Konzerts überhaupt.
„Firestorm" setzt die Schrecknisse des Irakkriegs in Töne um, die zwischen Ruhe und Sturm, zwischen Angst und Erleichterung die ständige Bedrohung der Menschen in diesem Krieg umsetzen. Nicht viel leichter gestaltet sich Hessselmanns Komposition: Von der Fanfare leitet sie direkt zum rockigen Teil über, gefolgt von einer Ballade und dem Scherzo, so stellte Wanning das abwechslungsreiche Werk vor. „Sie werden merken, Blasmusik ist noch etwas anderes als Ernst Mosch", bereitete Wanning das Publikum auf das ganz besondere „hausinterne" Klangerlebnis vor.
Nicht weniger fantasievoll und nicht weniger virtuos brachte das Orchester unter Leitung von André Baumeister die weiteren Stücke zu Gehör. „Imagasy" von Thiemo Kraas setzte mit wunderschönen sphärischen Klängen die Beobachtung eines Kindes um, das ganz in sein Spiel vertieft war. Schwerblütig erwies sich dagegen der feurige Paso double „Gallito" von Santiago Lope.
Schon fast klassisch für symphonische Blasorchester waren die armenischen Tänze von Alfred Reed. In „South Rampard Street Parade" von Ray Bauduc & Bob Haggart bot das Orchester sein ganzes Temperament auf in einer Mischung aus Charleston, Märschen und absolut swingenden und mitreißendem Big-Band-Sound.
Zur Beruhigung für die aufgewühlte, absolut positive Stimmung setzte das Ensemble mit „Omens of love" von Izumi Hirotaka „noch eins drauf". Das Publikum wollte trotzdem mehr und bekam es auch. „Wir sind das Kreisorchester, aber Sie sind der Kreis", bedankte sich Wanning im Namen der Musiker beim Publikum. Daumen drücken für Bamberg werden jetzt noch mehr Fans ihrer Blasmusik.
(Aus: Münsterlandzeitung vom 12.10.2010; Elvira Meisel-Kemper)
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